Hinweis

Für dieses multimediale Reportage-Format nutzen wir neben Texten und Fotos auch Audios und Videos. Daher sollten die Lautsprecher des Systems eingeschaltet sein.

Mit dem Mausrad oder den Pfeiltasten auf der Tastatur wird die jeweils nächste Kapitelseite aufgerufen.

Durch Wischen wird die jeweils nächste Kapitelseite aufgerufen.

Los geht's

Frauen. Fußball. Geschichte

Logo https://fussballmuseum.pageflow.io/frauen-fussball-geschichte

50 Jahre Frauenfußball

Zum Anfang

Einleitung

Die Online-Ausstellung „Frauen. Fußball. Geschichte“ widmet sich der wechselvollen Entwicklung des Frauenfußballs, die bereits Ende des 19. Jahrhunderts mit der Gründung erster Frauen-Teams in England einsetzte. Neben Talent und Spielfreude sind seither Widerstandskraft, Idealismus und Pioniergeist als prägendste Eigenschaften bei den Sportlerinnen gefragt. Denn auch in Deutschland sollte es lange dauern, bis das Engagement der Frauen im und für den Fußballsport gesellschaftlich anerkannt wurde.

Die Ursprünge der weiblichen Teilhabe an der populärsten Sportart in unserem Land liegen dabei sehr viel länger zurück, als das die gerade einmal vor fünf Jahrzehnten erfolgte Aufhebung des Frauenfußball-Verbots erahnen lässt. „Die Zukunft des Fußballs ist weiblich“ – das geflügelte Wort von Ex-FIFA-Präsident Sepp Blatter fußt auf dem Engagement zahlreicher Pionierinnen.

Der Brückenschlag von den schwierigen Anfängen zu den weltweit beachteten Festivals des Frauenfußballs bei Europa- und Weltmeisterschaften wird im Folgenden anhand von zahlreichen Bilddokumenten und Exponaten aus der Dauerausstellung des Deutschen Fußballmuseums vollzogen.


Zum Anfang

Unter dem Radar

Vollbild
Die Anfänge

In der Zeit der Weimarer Republik gilt das Fußballspiel als eindeutig männlich geprägter Kampfsport. Trotzdem gründen sich vereinzelt Frauenteams.

So ist etwa in der Chronik des HSV Barmbeck-Uhlenhorst für das Jahr 1924 eine Frauenabteilung verzeichnet. Der sozialistische Arbeiter-Turn- und Sportbund (ATSB) führt innerhalb seiner Fußballsparte unter den Mitgliedern auch Frauen auf. Darüber hinaus sind für die 1920er-Jahre Frauenfußballwettbewerbe zwischen deutschen Universitäten nachgewiesen.

Der männliche Blick auf die kickenden Frauen ist von Anfang an skeptisch bis ablehnend: Frauenfußball wird, oft pseudowissenschaftlich untermauert, als unästhetisch, moralisch verwerflich und widernatürlich angesehen.

Erster Frauenfußball-Verein

1930 sucht die Frankfurter Metzgertochter Lotte Specht öffentlichkeitswirksam per Zeitungsannonce gleichgesinnte Frauen und gründet den "1. Deutschen Damen Fußballclub Frankfurt“.

34 Spielerinnen folgen ihrem Aufruf und engagieren sogar einen eigenen Trainer. Mangels Gegnerinnen sind die Frauen aber meist unter sich. Die Vereinsmitglieder werden in der Öffentlichkeit verspottet und beschimpft und als „Mannsweiber“ verunglimpft. Der 1. DDFC löst sich bereits 1931 wieder auf.


Abb.: Das Illustrierte Blatt, Lotte Specht gründet 1930 den 1. DDFC Frankfurt



Schließen
Zum Anfang
0:00
/
0:00
Audio jetzt starten
Die Fußball-Pionierin Lotte Specht erinnert sich an die Zeit des 1. DDFC Frankfurt

Audio öffnen

Zum Anfang
Schließen
Vorher/Nacher Ansicht

Vorher/Nachher-Ansicht starten
Zum Anfang
0:00
/
0:00
Video jetzt starten
Die Fußballerinnen müssen sich lange Zeit höhnische Kommentare gefallen lassen. Sie werden vom DFB ausgegrenzt und von der Gesellschaft belächelt. 

Video öffnen

Zum Anfang
Ein Jahr nach Inkrafttreten des Frauenfußball-Verbots durch den DFB findet in Essen vor mehr als 18.000 Zuschauerinnen und Zuschauern das erste einer ganzen Reihe inoffizieller Länderspiele statt.

Das Duell gegen eine niederländische Auswahl am 23. September 1956 gewinnen die deutschen Frauen mit 2:1.
Bis 1965 werden etwa 150 internationale Begegnungen ausgetragen.
Zum Anfang
0:00
/
0:00
Video jetzt starten
Zum Ärger des DFB berichten immer mehr Medien in den 1960er-Jahren über die inoffiziellen Länderspiele und Wettkämpfe der Frauen.

Erst 1970 lenkt der DFB ein und hebt das Frauenfußball-Verbot offiziell auf. Eine eigene Nationalmannschaft sollte es allerdings erst viele Jahre später geben. 

Video öffnen

Zum Anfang
Noch vor der Zulassung des Frauenfußballs findet in Italien eine inoffizielle Frauen-WM statt. Eingeladen wird als Vertreter Deutschlands das Team des SC Bad Neuenahr, der trotz DFB-Verbots seit 1969 eine eigene Frauenfußballabteilung unterhält.

Auf dem Weg nach Italien machen die Frauen im schwäbischen Illertissen Halt, um vor 20.000 Zuschauerinnen und Zuschauern ein Testspiel gegen eine Studentinnen-Auswahl aus Augsburg zu bestreiten.

Am 8. Juli 1970 unterliegt das Team in Genua den Engländerinnen mit 1:5 und scheidet aus. Weltmeister wird schließlich die Auswahl Dänemarks. Sie gewinnt im Finale in Turin vor 40.000 Menschen gegen Italien mit 2:0.

Zum Anfang

Der Neubeginn

Vollbild
Aufhebung des Verbots

Am 31. Oktober 1970 beschließt der Deutsche Fußball-Bund auf seinem Bundestag in Travemünde die Aufhebung des Frauenfußball-Verbots. Die Fußballerinnen erkämpfen sich nach und nach gesellschaftliche Akzeptanz.

1973 wird erstmalig ein nationaler Wettbewerb ausgespielt. Der TuS Wörrstadt gewinnt den sogenannten Goldpokal durch ein 3:1 im Finale gegen den FC Bayern München. 

Ein Jahr später erringen die Wörstädterinnen auch den ersten offiziellen deutschen Meistertitel. Beim 4:0 im Finale gegen die DJK Eintracht Erle erzielt Bärbel Wohlleben als erste Frau das Tor des Monats der ARD-Sportschau. 

Abb.: Trikot des erfolgreichen TuS Wörrstadt
Schließen
Zum Anfang
0:00
/
0:00
Video jetzt starten
Zum Anfang
Die Spielzeit bei den Frauen ist zunächst auf zwei Mal 30 Minuten begrenzt, Stollenschuhe sind tabu, gespielt wird nur im Sommerhalbjahr und mit kleinerem Jugendball.

Wie im Spielbericht vermerkt, einigen sich die Spielführerinnen Bärbel Wohlleben und Christel Kurowski vor dem ersten offiziellen Endspiel um die Deutsche Meisterschaft 1974 auf die Verwendung eines Seniorenballes.

Schiedsrichter des Finales ist Walter Eschweiler, der in den folgenden Jahren zu einem der bekanntesten Unparteiischen Deutschlands aufsteigt und bei zahlreichen internationalen Spielen zum Einsatz kommt. 


Zum Anfang
0:00
/
0:00
Video jetzt starten
1981 lädt Taiwan zur inoffiziellen Fußballweltmeisterschaft ein. Da die Gründung einer Frauen-Nationalmannschaft noch nicht vollzogen ist, geht die Einladung an die deutschen Rekordmeisterinnen der SSG 09 Bergisch Gladbach.

Ohne jede finanzielle Unterstützung des DFB spielen sie vor großer Kulisse in den WM-Stadien und live im taiwanesischen Fernsehen das Turnier ihres Lebens.

Angeführt von Trainerin Anne Trabant-Haarbach, die gleichzeitig als Stürmerin mitspielt, holt "Team Germany" aus Bergisch Gladbach sensationell den Titel.

Weltmeisterin Petra Landers blickt auf die Entwicklung des Frauenfußballs nach Aufhebung des Verbots zurück: 

Video öffnen

Zum Anfang

Rasanter Aufstieg

Vollbild
Das erste Länderspiel

Nach Aufhebung des Verbots dauert es noch zwölf Jahre bis zur Gründung der deutschen Frauen-Nationalmannschaft.  Am 10. November 1982 bestreitet sie in Koblenz unter Trainer Gero Bisanz gegen die Schweiz ihre offizielle Länderspielpremiere.

Doris Kresimon gelingt in der 25. Minute das erste Länderspieltor in der Geschichte der DFB-Frauen. Die erst 18-jährige Silvia Neid startet mit zwei Treffern ihre herausragende Karriere. 5.000 Zuschauerinnen und Zuschauer im Stadion Oberwerth erleben in zwei Mal 40 Minuten Spielzeit einen vielversprechenden Auftakt der Fußballerinnen. Die deutsche Elf siegt 5:1.

Nicht nur die Fans, sondern inzwischen auch DFB-Funktionäre erkennen die positive Entwicklung des Frauenfußballs an.

Abb.: Trikot von Spielführerin Anne Trabant-Haarbach aus dem ersten Länderspiel 
Schließen
Zum Anfang
0:00
/
0:00
Video jetzt starten
Zum Anfang
Schließen
Nur sieben Jahre nach ihrer Gründung gewinnt die deutsche Frauen-Nationalmannschaft den ersten Titel:

Vor 22.000 begeisterten Zuschauerinnen und Zuschauern siegt Deutschland im EM-Finale 1989 in Osnabrück gegen die favorisierten Norwegerinnen mit 4:1. Es ist der Startschuss für eine beispiellose Erfolgsgeschichte.

Innerhalb weniger Jahre stößt die  DFB-Elf in die absolute Weltspitze vor. Die Erfolge sprechen für sich. Insgesamt wird sie bislang acht Mal Europameister. Unter Bundestrainerin Tina Theune gewinnen die Frauen 2003 erstmals den WM-Titel. 

Nachfolgerin Silvia Neid schafft 2007 mit ihrer Mannschaft die Titelverteidigung und krönt 2016 mit Gold bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro ihre einzigartige Karriere. 

Ich bin damit einverstanden, dass mir YouTube Videos gezeigt werden. Mehr Informationen

Um externe Dienste auszuschalten, hier Einstellungen ändern.

Zum Anfang
0:00
/
0:00
Video jetzt starten
Auch die Teams aus der Frauenfußball-Bundesliga sind international sehr erfolgreich: Im Europapokal stehen seit dessen Einführung zur Saison 2001/02  bislang insgesamt neun Titel zu Buche. 

Der 1. FFC Frankfurt zählt dabei zu den Top-Vereinen. Er gewinnt 2002, 2006, 2008 und zuletzt 2015 die UEFA Women's Champions League (bis 2009 UEFA Women's Cup). Dazu sichern sich die Frankfurterinnen 2002 als erster deutscher Verein überhaupt das „Triple“ aus Meisterschaft, Pokal und Europapokal. 2008 können sie diesen Erfolg wiederholen.

Der 1. FFC Turbine Potsdam gewinnt den Europapokal 2005 und 2010. Im Jahr 2009 siegt der FCR Duisburg.
Der VfL Wolfsburg erringt 2013 als zweite deutsche Mannschaft das "Triple". 2014 können die Wölfinnen den Titel in der europäischen Königsklasse verteidigen. 

Video öffnen

Zum Anfang
Schließen
Fünf Jahre nach dem „Sommermärchen“ der Männer findet mit der Frauen-Weltmeisterschaft 2011 erneut ein Fußball-Großereignis in Deutschland statt.

Unter dem Motto „20Elf von seiner schönsten Seite“ messen sich die 16 besten Nationalteams im Kampf um die WM-Krone. In einem dramatischen Endspiel schlägt Japan die USA mit 5:3 n.E..

Die 32 Begegnungen werden von mehr als 844.000 Zuschauerinnen und Zuschauern in den Stadien verfolgt. Nicht zuletzt die hohen TV-Einschaltquoten machen das Turnier zu einem weltweiten Erfolg. Die Entwicklung des Mädchen- und Frauenfußballs erfährt durch die WM 2011 einen nachhaltigen Aufschwung. 
Ich bin damit einverstanden, dass mir YouTube Videos gezeigt werden. Mehr Informationen

Um externe Dienste auszuschalten, hier Einstellungen ändern.

Zum Anfang
Schließen
2019 wird die Gründungself der Frauen in die HALL OF FAME des deutschen Fußballs aufgenommen.

Bei der Gala im Deutschen Fußballmuseum nehmen Silvia Neid, Silke Rottenberg, Steffi Jones, Nia Künzer, Renate Lingor, Bettina Wiegmann, Inka Grings und Trainerin Tina Theune ihre Auszeichnungen persönlich entgegen.

Zur HALL-OF-FAME-Gründungself zählen zudem Doris Fitschen, Martina Voss-Tecklenburg, Birgit Prinz und die posthum geehrte Heidi Mohr. 

Im Jahr 2022 wird der nächste Jahrgang der Frauenfußball-Legenden in die Ruhmeshalle berufen.

Ich bin damit einverstanden, dass mir YouTube Videos gezeigt werden. Mehr Informationen

Um externe Dienste auszuschalten, hier Einstellungen ändern.

Zum Anfang

EInleitung

0:00
/
0:00
Audio jetzt starten
Zum Anfang
Scrollen, um weiterzulesen Wischen, um weiterzulesen
Wischen, um Text einzublenden